Meiringen 27. November 2019

Das Trychler- und Ubersitzmuseum ist eingerichtet

Martha Kolodziej hat ganze Arbeit geleistet. Die kommenden Wochen stehen im ehemaligen Hotel Anderegg ganz im Zeichen des bekannten und beliebten Oberhasler Altjahrsbrauchs. Ein erster Augenschein.

von Nora Devenish

Innert weniger Monate schaffte es die Meiringer Künstlerin Martha Kolodziej, das erste Oberhasler Trychler- und Ubersitzmuseum auf die Beine zu stellen.
Fotos: Nora Devenish

«Diese Ausstellung bereitet mir sehr viel Freude», resümiert Martha Kolodziej die letzten drei Monate. Innert kürzester Zeit schaffte es die Künstlerin, die Bevölkerung zu mobilisieren und dank vieler Geschichten und Leihgaben das erste Trychler- und Ubersitzmuseum im Oberhasli einzurichten. Ab dem 1. Dezember sind dessen Türen im ehemaligen Hotel Anderegg an der Meiringer Hauptstrasse geöffnet. Die offizielle Eröffnung feiert Kolodzjei am Sonntag, 15. Dezember. Danach wird bis zum 31. Dezember an der Fassade jeweils abends auch der Film «Ischtaan» von Lukas Zumstein zu sehen sein. «Allein der Film in Grossprojektion ist ein wahrer Schatz», so die Ausstellungsmacherin. Noch mehr entdeckenswerte Schätze gibt es in den Räumen des Trychler- und Ubersitzmuseums zu entdecken.

Die Schnabelgeiss erhält im Trychler- und Ubersitzmuseum einen prominenten Platz.

Für die Ausstellung malte Martha Kolodziej eigens Gemälde rund um den Oberhasler Brauch.

Zusammen mit ihrem Vater brannte Kolodziej tönerne Ubersitzsujets.

Die Keramiken komplettieren die Ausstellung im ehemaligen Hotel Anderegg in Meiringen.


Helfer und Freunde

Ubersitz. Im Oberhasli die schönste Zeit im Jahr. Mystische Geister, ausgelassene Masken, Trommelschlag und Trychellaut. All das vermag Martha Kolodziej in ihrer Ausstellung zu bündeln. Hier posiert die Schnabelgeiss, dort sitzen die maskierten Trychler beim Umtrunk. Dazwischen entdeckt der Besucher wahre Raritäten um den uralten Oberhasler Brauch. So zum Beispiel ein Horn, welches als einziges seiner Art die grossen Meiringer Brände 1879 und 1891 überstanden hat, oder eine bernische Ordonnanztrommel aus dem Jahr 1840. «Sämtliche Exponate sind Leihgaben, und ich bin unendlich dankbar über die Grosszügigkeit und das Vertrauen der Donatoren», so Martha Kolodziej. Bäckermeister Steff Frutiger ernennt sie offiziell zum Ausstellungspaten. «Steff hat immer an dieses Projekt geglaubt und mir manche Türen geöffnet.» Aber auch die Hilfe und Zusammenarbeit von Filmemacher Lukas Zumstein, der Trychelmajore Stephan Banholzer und Christian Hassler sowie Jakob Kehrli und Andreas Huber – «und vielen mehr» – sei unentbehrlich gewesen für die Realisation des Trychler- und Ubersitzmuseums. «Die letzten Wochen und Monate haben gezeigt, dass sich unabhängig von Sprache oder Herkunft zur Freude aller und im Sinn der Sache Grossartiges verwirklichen lässt», so die Künstlerin mit polnischen Wurzeln.

Diese antike bernische Ordonnanztrommel ist eine der vielen Raritäten im Trychler- und Ubersitzmuseum.

er weiss, vielleicht gibt es schon bald ein Ubersitz-Marionettentheater zu sehen?

Martha Kolodziej erhielt aus dem ganzen Oberhasli viele Kostüme und Masken als Museumsleihgabe..


Helfer und Freunde

Ubersitz. Im Oberhasli die schönste Zeit im Jahr. Mystische Geister, ausgelassene Masken, Trommelschlag und Trychellaut. All das vermag Martha Kolodziej in ihrer Ausstellung zu bündeln. Hier posiert die Schnabelgeiss, dort sitzen die maskierten Trychler beim Umtrunk. Dazwischen entdeckt der Besucher wahre Raritäten um den uralten Oberhasler Brauch. So zum Beispiel ein Horn, welches als einziges seiner Art die grossen Meiringer Brände 1879 und 1891 überstanden hat, oder eine bernische Ordonnanztrommel aus dem Jahr 1840. «Sämtliche Exponate sind Leihgaben, und ich bin unendlich dankbar über die Grosszügigkeit und das Vertrauen der Donatoren», so Martha Kolodziej. Bäckermeister Steff Frutiger ernennt sie offiziell zum Ausstellungspaten. «Steff hat immer an dieses Projekt geglaubt und mir manche Türen geöffnet.» Aber auch die Hilfe und Zusammenarbeit von Filmemacher Lukas Zumstein, der Trychelmajore Stephan Banholzer und Christian Hassler sowie Jakob Kehrli und Andreas Huber – «und vielen mehr» – sei unentbehrlich gewesen für die Realisation des Trychler- und Ubersitzmuseums. «Die letzten Wochen und Monate haben gezeigt, dass sich unabhängig von Sprache oder Herkunft zur Freude aller und im Sinn der Sache Grossartiges verwirklichen lässt», so die Künstlerin mit polnischen Wurzeln.

Anhand ihrer Gemälde hält Kolodziej den Ubersitzbrauch auf Leinwand fest.

Das unbekannte Geismeitli ist Martha Kolodziej ans Herz gewachsen.

Das Trychler- und Ubersitzmuseum in Meiringen ist vom 1. bis 31. Dezember jeweils von 17.00 bis 21.00 Uhr geöffnet.

Anhand einer Schreibwerkstatt will Martha Kolodziej Anregungen für kommende Ausstellungsjahre erhalten.


Tradition und Interpretation

Wie angekündigt erhält auch das Geismeitli im Trychler- und Ubersitzmuseum einen speziellen Platz. «Auch wenn die Geschichte rund um das Geismeitli nicht vielen im Tal bekannt ist, ist es mir ein Anliegen, dieses Mädchen zu repräsentieren», so Kolodziej. Auch und gerade die Figur des Geismeitlis lässt der Künstlerin viel Interpretationsfreiheit: «Ich fühle mich dieser Figur mit all ihren Geheimnissen sehr verbunden. Die Zeit wird zeigen, was aus dieser Zuneigung entsteht.» Das Trychler- und Ubersitzmuseum ist vom 1. bis 31. Dezember täglich jeweils von 17.00 bis 21.00 Uhr geöffnet. Ein wärmender Ofen mit frisch gebrautem Kaffee und Tee sowie vielen Exponaten, Sagen, Anekdoten und Geschichten laden zum Verweilen ein. Das Trychler- und Ubersitzmuseum soll laut Martha Kolodziej ein Ort für alle Oberhasler sein: «Ein zweites Zuhause, wo sich jeder irgendwie wiederfinden wird.»


Trychler-und Ubersitzmuseum

 1. bis 31. Dezember, jeweils 17.00 bis 21.00 Uhr
 Vernissage: Sonntag, 15. Dezember, 19.00 Uhr
 Der Eintritt ist frei.

 Martha Kolodziej
 Hauptstrasse 4
 3860 Meiringen
 art@marthakolodziej.com
 www.kunsthotel.art

Meiringen 30. Januar 2018

Ob Hotelier, Pächter, Gast oder
Anwohner - melden Sie sich! 

Martha Kolodziej ist inmitten ihres nächsten Projekts. Mit 24 Bildern will sie die Meiringer Hotellerie von damals und heute dokumentieren. Dabei ist sie auf die Mithilfe von Zeitgenossen, Archivaren und Sammlern angewiesen.

von Nora Devenish

Die Meiringer Künstlerin Martha Kolodziej widmet sich während der nächsten zwei Jahre historischen Meiringer Hotels.
Fotos: Nora Devenish

Martha Kolodziejs Herz schlägt für das Oberhasli. Seitdem die Künstlerin ihre Zelte im ehemaligen Hotel Anderegg an der Hauptstrasse 4 aufgeschlagen hat, widmet sie einen grossen Teil ihrer schöpferischen Kraft Meiringen und den Menschen, die das Dorf prägen. In ihren Bildern finden sich Zeitgenossen und kulturelle Bräuche sowie Historie und Visionen, manchmal prominent, dann wieder nur am Rande dargestellt. Nun plant die Künstlerin ihren nächsten Pinselstrich. Auf 24 Bildern will sie die Meiringer Hotellerie-Geschichte aufarbeiten. Zwölf Hotels, jeweils zweimal dargestellt – damals sowie heute oder auch mit Blick in die Zukunft.



Für die Umsetzung ist Kolodziej allerdings auf Hilfe angewiesen. «Ich bin auf der Suche nach Anekdoten, Fotos, Postkarten oder auch Requisiten. Jeder Hinweis, mag er noch so klein sein, kann dazu leiten, den historischen und gegenwärtigen Hotelgeist wieder aufleben zu lassen, und dient mir somit als Inspiration», so die Meiringer Künstlerin. Dabei spielt es Martha Kolodziej keine Rolle, ob die beschriebenen Hotels heute noch als Gästehaus dienen, mittlerweile anderweitig genutzt werden oder gar nicht mehr existieren und Neuem gewichen sind. 

Meiringer Hotels, was war, ist und sein wird 

Wer sich mit Martha Kolodziej in Verbindung setzen oder einen Hinweis zur Historie der Meiringer Hotellerie liefern will, kann dies unter folgender Adresse tun.

Martha Kolodziej
Hauptstrasse 4
3860 Meiringen
art@marthakolodziej.com
www.kunsthotel.art

Oder Sie schicken Ihre Hinweise an
 nora.devenish@jungfrauzeitung.ch 

Das erste von 24 Bildern. Martha Kolodziej malt ihren persönlichen Zukunftstraum für ihre Residenz, das ehemalige Hotel Anderegg.

Die Künstlerin stellt sich als Traumtänzerin dar, die ihre Visionen für das Hotel Anderegg mit Seifenblasen ins Universum schickt.

Weder Kritik noch Wertung

Martha Kolodziejs neuestes Projekt trifft den Nerv der Zeit. Die Hotellerie ist einmal mehr im Umbruch, auch in Meiringen. Ehrwürdige Häuser weichen neuen Ferienresorts, ausländische Betreiber ersetzen langjährige Gastgeber. Doch will Martha Kolodziej mit ihrem Schaffen diese Entwicklung nicht etwa werten oder kritisieren. «Ich respektiere den Lauf der Zeit. Als Künstlerin mache ich keinen Unterschied zwischen vergangenen Epochen der Meiringer Hotellerie, mögen sie noch so wunderbar gewesen sein, zum Ist-Zustand.» Vielmehr ist Kolodziej bestrebt, eine Hommage an Meiringens Gästekultur zu liefern.

Ein Besuch durch Martha Kolodziejs Atelier gibt Einblick in Meiringens Hotelhistorie.

Eine Momentaufnahme

Mit ihrer naiven Kunst, ihrem Feingespür, Humor, ihrer offenen Art und nicht zuletzt ihrem Interesse und Respekt für die Oberhasler Kultur hat sich Kolodziej innert kürzester Zeit in die Herzen der Meiringer gemalt. «Mich interessiert die Historie. Als Künstlerin ist es meine Aufgabe wiederzugeben, was ich sehe. Manche Künstler schreiben, ich male.» Im vergangenen Herbst stellte sie in ihrer Galerie Globetrotter Art das ganze Dorf und seine Eigenheiten rund um das ehemalige Hotel Hirschen dar (diese Zeitung berichtete). Auch ihre Künstlerresidenz, jenes Haus, wo einst Melchior Anderegg Gäste willkommen hiess, hat sie bereits mehrmals auf Leinwand verewigt. «Hotels haben es mir eben angetan. Die Suche nach ihren Geschichten, ihren Gästen oder Patrons absorbiert mich», so die gebürtige Polin.

Bevor Kolodziej auf Leinwand malt, wird jedes Sujet mit Bleistift skizziert.

Internationale Resonanz

Für ihr jüngstes Projekt will sich Martha Kolodziej zwei Jahre Zeit nehmen. Eingehenden Recherchen, dem Austausch mit Zeitzeugen, Archivaren oder Anwohnern folgt die bildnerische Umsetzung auf Leinwand. Angedacht ist auch, dass die Bilder nach deren Fertigstellung, dank Kolodziejs internationalen Kontakten in Künstlerkreisen vielerorts als «24 Postkarten aus Meiringen» ausgestellt werden, was Meiringens touristischer Vermarktung durchaus dienlich sein könnte.

Bevor Kolodziej auf Leinwand malt, wird jedes Sujet mit Bleistift skizziert.

Für ihr jüngstes Projekt will sich Martha Kolodziej zwei Jahre Zeit nehmen. Eingehenden Recherchen, dem Austausch mit Zeitzeugen, Archivaren oder Anwohnern folgt die bildnerische Umsetzung auf Leinwand. Angedacht ist auch, dass die Bilder nach deren Fertigstellung, dank Kolodziejs internationalen Kontakten in Künstlerkreisen vielerorts als «24 Postkarten aus Meiringen» ausgestellt werden, was Meiringens touristischer Vermarktung durchaus dienlich sein könnte.